Mesa Verde, Colorado, USA

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An einem Dezembermorgen des Jahres 1888 ritten Richard Wetherill und Charlie Mason, auf der Suche nach verirrten Rindern, durch die wilde Landschaft des "Mesa Verde" im Südwesten von Colorado. Die "grüne Tafel", so nannten die Spanier das Bergmassiv, erhebt sich abrupt 600 m aus dem Flachland und bildet ein 32 km x 24 km großes zerklüftetes Felsplateau. Die Farmer rasteten gegenüber einem steilen Canyon und erblickten in einem riesigen ovalen Hohlraum eine Ruinenstadt die zu schweben schien. Sie hatten "Cliff Palace", den Felsenpalast, entdeckt.
Das hier ein Volk mit großen kulturellen Kenntnissen lebte, spiegelt sich schon in de Mythen der Navajos wieder. Sie kamen im 16. Jahrhundert in dieses Gebiet und fanden intakte Dörfer vor, aber keine Bewohner. Die Navajos nannten sie "Anasazi" ("die die vor uns hier waren") und Archäologen übernahmen später den Namen für diesen Stamm der Pueblo-Indianer. 600 Jahre hatten die Felsenwohnungen (Cliff dwellings) unbewohnt überdauert, keiner hatte sie je zu Gesicht bekommen. Noch im gleichen Jahr entdeckte Wetherill zwei weitere große Siedlungen. Gierige Abenteurer durchwühlten daraufhin die Mesa, immer mehr dieser seltsamen Dörfer wurden entdeckt, geplündert und zerstört. Doch mehr als in Matten gehüllte Skelette und Gegenstände des täglichen Bedarfs wurden nicht gefunden. 1906 erklärte die amerikanische Regierung das Gebiet zum Nationalpark und stoppte somit den Vandalismus. Seither haben Archäologen die Spur der Anasazi aufgenommen und bis zu den prähistorischen Stämmen zurückverfolgt. Im 6. Jahrhundert schlossen sie sich zu Dorfgemeinschaften zusammen und siedelten in mehrstöckigen Terrassenbauten. Bis zu Tausend Menschen lebten dicht neben- und übereinander. Der Zugang zu den Gebäuden war nur durch Leitern über einen Dacheinstieg möglich, die bei Gefahr eingezogen wurde. Zu den Wohnungen gehörten mehrere große Rundbauten, halb in den Boden eingelassen und für religiöse Zeremonien genutzt.
Die menschenarme Region muß früher dicht besiedelt und von Straßen durchkreuzt gewesen sein. Über 50000 Pueblo-Indianer gab es nach wissen- schaftlichen Schätzungen früher im Gebiet von New Mexico und Arizona. Noch immer sind nicht alle Ruinen registriert und untersucht worden, dennoch weiß man mittlerweile einiges über ihre Bewohner. Sie bauten Mais, Bohnen und Kürbis an, sie hatten den Truthahn domestiziert und nutzten Hunde als Lasttiere und Nahrung. Die Anasazi webten aus Baumwolle kunstvolle Textilien, formten Keramik und flochten Körbe. Kanäle und künstliche Seen versorgten bis zu 16 Dörfer gleichzeitig mit Trinkwasser. Sie führten offensichtlich ein friedliches Leben, denn es gibt keine Hinweise auf Krieg, Gewalt oder Sklaverei.
Ende des 13. Jahrhunderts verließen die Anasazi plötzlich ihre Dörfer und verschwanden, die Ursache ist bis heute unbekannt. Anhand der Jahresringe der Bäume läßt sich erkennen, daß von 1274 - 1299 eine verheerende Dürreperiode herrschte und so vermutet man, daß sie südwärts zogen und zu den Vorfahren der dort noch immer siedelnden Hopi-Indianer wurden. [sh]

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Lichtblicke

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