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Aborigines/Australier
Die Australier sind die Ureinwohner Australiens. Sie werden auch Aborigines genannt. Zur Zeit der
europäischen Kolonisation, beginnend mit dem Jahr 1788, lebten etwa 300.000 Eingeborene auf dem
australischen Kontinent. Sie zerfielen in viele Sprachgruppen mit lokalen Dialekten. Heute leben nur noch
etwa 130.000 Menschen mit australischer Abstammung, wovon etwa zwei Drittel Mischlinge sind.
Aufgrund von prähistorischen Funden wird vermutet, dass die Aborigines vor mehr als 30.000 Jahren
von Asien kommend auf den australischen Kontinent eingewandert sind. Vermutlich war dort schon eine
Bevölkerung ansässig, die den späteren Tasmaniern verwandtschaftlich nahe stand. Diese
Urbevölkerung wurde von den aus Asien eindringenden Gruppen absorbiert bzw. auf die
südöstlich gelegene Insel Tasmanien verdrängt.
Vor der Ankunft der europäischen Kolonisatoren lebten die Aborigines als Wildbeuter. Die Jagd von
Känguru, Emu und Opossum war Aufgabe der Männer. Fischfang wurde nur in den Küstengebieten
betrieben. Der größte Teil des Nahrungsbedarfs wurde aber von den Frauen abgedeckt, die, mit
dem Grabstock ausgerüstet, den Boden nach Wurzeln, Beeren und Knollen, Früchten und Samen
durchwühlten und auch Kleintiere - wie Eidechsen, Würmer und Larven - sammelten. Da die
Australier nicht sesshaft waren, war ihre materielle Ausrüstung dementsprechend gering. Speer,
Wurfstock und Keule dienten aus diesem Grund einem doppelten Zweck, nämlich der Jagd und der
Kriegsführung. Die Werkzeuge, Waffen und Geräte wurden aus Stein, Holz, Knochen und Muscheln
angefertigt. Aus Gräsern und Schilf wurden Behältnisse geflochten. Töpferei und
Metallverarbeitung waren unbekannt. Als Unterkunft dienten den Aborigines einfache Windschirme aus
Buschwerk.
Die politische Einheit der Aborigines war die Horde, die nach dem patrilinearen Abstammungsprinzip
aufgebaut war. Die Exogamie war die vorherrschende Heiratsregelung. Die Anführer der Horde waren
meistens alte Männer, die über die soziale Ordnung in der Gruppe wachten. Diese Männer
hatten aber kein offizielles Führungsamt, sondern wurden aufgrund ihrer Lebenserfahrung und ihres
Wissens um die Stammesmythologie und die Rituale respektiert. Mehrere Horden bildeten eine Art Stamm, der
aber weder wirtschaftlich noch politisch eine Einheit bildete, sondern deren Verbindung lediglich in
einer gemeinsamen Sprache bestand.
Im sozio-religiösen Leben der Australier spielte der Totemismus eine zentrale Rolle. Jeder Mensch
hatte eine enge Beziehung zu einem Totem, das ihn sein ganzes Leben lang begleitete. Dies konnte ein Tier
oder eine Pflanze sein. Menschen mit dem gleichen Totem gehörten dem gleichen Klan an und galten
aufgrund der gleichen tierischen, pflanzlichen oder auch immateriellen mythischen Tradition als
miteinander verwandt. Aus diesem Grund durfte der Heiratspartner nur außerhalb des eigenen Klans
gesucht werden. In der sehr umfangreichen Mythologie der Aborigines waren Traumwesen von zentraler
Bedeutung. Ihnen wurden übernatürliche Kräfte zugeschrieben, die an bestimmten
Plätzen wirksam werden. An solchen heiligen Plätzen wurden häufig Riten zur Vermehrung von
Pflanzen und Tieren zelebriert.

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