Borobudur, Java

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Die Gewalt des Vulkanausbruches am Berg Merapi erschütterte den Tempel, dann fiel ein dichter Regen aus Tuff und Asche über das mitteljavanische Heiligtum der "Bergherren" und begrub das Königreich von Alt-Mararam unter Strömen glühender Lava. Bald nach dieser Naturkatastrophe im Jahre 1006 eroberte die Vegetation den Hügel und die Tempelanlage von Borobudur ("viele Buddhas") zurück. Borobudur, der nach Angkor Wat und der Schwedagon-Pagode drittgrößte hindu-buddhistische Tempel, versank daraufhin in einen 800jährigen Schlaf.
Heute im Rang eines Staatsheiligtums, entstand Borobudur in der Mitte des 8. Jhd., harmonisch eingefügt in die tropische Landschaft. Die durch den Reisanbau reich gewordenen Herrscher der Shailendra-Dynastie beschlossen hier den mythologischen Berg Meru nachzubauen. Auf dem Gipfel dieses Berges, so die Vorstellung, ruhte das gesamte Universum. Da dem hindu-buddhistischen Glauben zufolge jeder Tempelbau als Zeugungsakt gilt, ließen die Bauherren prüfen, wo die männliche Sonne mit dem fruchtbaren weiblichen Boden zusammentrifft. Nach unzähligen Horoskopen, Berechnungen und Besichtigungen stand fest, das dieser Ort sich auf einer kuppelförmigen Anhöhe in der Zentralregion Javas befindet. Auf den entsprechenden Koordinaten befahlen sie den Bau des Heiligtums, das bis heute nichts von seiner Ausstrahlung eingebüßt hat.
10'000 Arbeiter waren 80 Jahre lang damit beschäftigt, den Hügel mit einer neunstufigen Tempelanlage zu überbauen, wobei 56'640 m³ behauener Steine mörtellos übereinander geschichtet wurden. Dann war der ursprüngliche Berg vollkommen unter dem künstlichen verschwunden.

Die Gestaltung des Heiligtums wurde aber bald mehr vom Buddhismus als vom Hinduismus beeinflusst. Im Jahre 830 fertiggestellt bekam es den Namen Borobudur (viele Buddhas), da hunderte Buddhadarstellungen die neun Terrassen, in Form von Bronzestatuen und Steinskulpturen, säumen. Für die Pilger erschien der Tempelberg als religiöses Wunder. Beim Umwandern der 9 Stockwerke, durchquerte man die "3 Stufen des Seins", die von der irdischen in die geistige Welt führten. Vorbei an tausenden Reliefbildern, mit Szenen aus dem Leben Buddhas, führte der Weg bis zu den drei höchsten Plattformen des Tempels mit 72 Stupas, kleinen glockenförmigen Türmen, die jede einen steinernen Buddha enthielt. An der höchsten Stelle befand sich die größte Stupa, als einzige völlig leer, das Sinnbild der absoluten Ruhe, der Erleuchtung, des Nirwana. Ursprünglich war die Anlage überall mit leuchtenden Farben bemalt. Im Gegensatz zu Heiligtümern auf dem Festland, lösten sich die Künstler auf dem "Berg der Anhäufung der Tugend in den zehn Phasen des Bodhisattvas" durch ihre freizügige Gestaltung merklich vom strengen Stil der altindischen Gupta-Epoche. Bis Mitte des 10. Jahrhunderts blieb Borobudur die bedeutendste buddhistische Pilgerstätte des indonesischen Inselreiches.
Erst 1814 wollte der britische Gouverneur Sir Thomas Stamford Raffles wissen, was die behauenen Steine hinter den Ranken zu bedeuten hätten. In den folgenden Jahrzehnten wurden Teile von Borobudur freigelegt, doch erst ab 1907 wurde mit systematischen Restaurierungsarbeiten unter dem Holländer Theodor van Erp begonnen. Zwischen 1970 und 1980 folgten weitere Restaurations- arbeiten mit Unterstützung der UNESCO, doch aller Bemühungen zum trotz schreitet die Verwitterung an dem Bauwerk weiter fort. Seit 1991 zählt Borobudur zum Weltkulturerbe der Menschheit.
Derzeit erfolgte auch eine gründliche fotografische Dokumentation der Anlage, diese half Borobudur im letzten Jahrhundert wieder so herzustellen, wie es einmal war. Wie vor 1000 Jahren wird der Tempel wieder von Pilgern umrundet. Wem es gelingt, einen Arm in eine der rhombenförmigen Öffnungen zu stecken und den dort befindlichen Buddha mit den Fingern zu berühren, den erwartet nach dem Glauben der Wallfahrer großes Glück. [sh]

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